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14. September 2011

Eva Strittmatter, Blauer Tag

Der Rauchgeruch der Frühe im September.

Das Gräsergrün ergraut vom Tau.

Tief fahren Wolken. Wie November.

Doch über ihnen ist ein Blau,

Ein Osterblau, ein Lebensblau,

Ein Blau aus allen Ewigkeiten,

Ein Blau zum Fliegen. Und der Welt

Müßte man einen Tag bereiten

So rein wie dieses reine Blau

Und ungetrübt von grauem Tau.

*

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1. August 2009

Hilde Domin

„Ich setzte meinen Fuß in die Luft, und sie trug.“

Letzten Donnerstag, am späten Abend, sah ich auf Radio Berlin Brandenburg den Dokumentarfilm »Ich will dich – Begegnungen mit Hilde Domin« von Anna Ditges, (2007). Anlass war der 100. Geburtstag Domins am 27. Juli. 95 Jahre war die Dichterin bereits alt, als der Film gedreht wurde, und der wiederkehrende herrische Unmut der alten Dame über die Nahaufnahmen der 26jährigen Filmerin durchzieht das Werk wie ein roter Faden. Und wie froh ist man, dass Anna Ditges sich immer wieder über diesen Unmut hinweggesetzt hat und sich… weiter…

Thema: Alle Beiträge, Literatur/Dichtung |

25. Juli 2009

Auf der Suche nach dem unbekannten Meisterwerk…

… oder: Man sieht nur, was man weiß.

Soeben habe ich eine DVD angeschaut, einen sehr schönen französischen Historienfilm über Balzac, von Josée Dayan, mit Gérard Depardieu, Jeanne Moreau, Fanny Ardant in den Hauptrollen. Er erinnerte mich daran, dass ich an dieser Stelle schon längst folgenden Schwank aus meinem Leben berichtet haben wollte: Ende letzten Jahres  war ich bei dem Maler Hans-Georg Assmann, der mich um eine Rede zu einer Ausstellungseröffnung gebeten hatte, zu Besuch im Atelier. Und wie wir da so saßen, seine Bilder anschauten und uns über Kunst unterhielten, kam mir plötzlich Balzacs Erzählung  „Das unbekannte Meisterwerk“ in den Sinn. Das kreative Prinzip, das  diese Erzählung – ein Paradigma der Ästhetik der Moderne – umschreibt, schien mir zu Assmanns Arbeiten hervorragend zu passen, und…

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30. Juni 2009

Sommerpause

“Stundenlang lag ich in der Sonne und tat nichts, dachte an nichts. Den Geist leer zu halten, ist eine Fähigkeit, die auch gut für die Gesundheit ist. Den ganzen Tag lang zu schweigen, keine Zeitung zu lesen, kein Radio zu hören, keinem Klatsch zu lauschen, völlig und gründlich zu faulenzen, völlig und gründlich gleichgültig dem Schicksal der Welt gegenüber zu sein, ist die beste Medizin, die sich ein Mensch verschreiben kann.”

Aus: Henry Miller, Der Koloss von Maroussi

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22. März 2009

Literatur ist Leben oder:

Besser als Haruki Murakami kann man es nicht sagen!

„Lieber Herr Watanabe,
zuerst die gute Neuigkeit.
Naokos Zustand hat sich viel rascher gebessert, als wir es je zu hoffen gewagt hätten. Ich habe bereits einmal mit ihr telefoniert, und sie hat sich sehr deutlich artikulieren können. Vielleicht kann sie sogar bald hierher zurückkommen.
Nun zu Ihrer Angelegenheit.
Zunächst einmal glaube ich, dass Sie alles viel zu ernst nehmen. Einen Menschen zu lieben, ist etwas Wunderbares, und wenn diese Liebe aufrichtig ist, wird auch niemand in ein Labyrinth geschleudert. Haben Sie Vertrauen zu sich selbst!
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Thema: Alle Beiträge, Coaching-Themen, Literatur/Dichtung |

6. Februar 2009

Kleist, Amphitryon: Wer bin ich?

AMPHITRYON: Ihr Bürger Thebens, hört mich an!
Ich bin es nicht, der euch hieher gerufen,
Wenn eure strömende Versammlung gleich
Von Herzen mir willkommen ist. Er wars,
Der lügnerische Höllengeist, der mich
Aus Theben will, aus meiner Frauen Herzen,
Aus dem Gedächtnis mich der Welt, ja könnt ers,
Aus des Bewußtseins eigner Feste drängen.
Drum sammelt eure Sinne jetzt, und wärt
Ihr tausendäugig auch, ein Argus jeder,
Geschickt, zur Zeit der Mitternacht, ein Heimchen
Aus seiner Spur im Sande zu erkennen,
So reißet, laßt die Müh euch nicht verdrießen,
Jetzt eure Augen auf, wie Maulwürfe,
Wenn sie zu Mittagszeit die Sonne suchen;
All diese Blicke werft in einen Spiegel,
Und kehrt den ganzen vollen Strahl auf mich,
Von Kopf zu Fuß ihn auf und nieder führend,
Und sagt mir an, und sprecht, und steht mir Rede:
Wer bin ich?

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20. Oktober 2008

Herbst

Erich Kästner
Der September

Das ist ein Abschied mit Standarten
aus Pflaumenblau und Apfelgrün.
Goldlack und Astern flaggt der Garten,
und tausend Königskerzen glühn.

Das ist ein Abschied mit Posaunen,
mit Erntedank und Bauernball.
Kuhglockenläutend ziehn die braunen
und bunten Herden in den Stall.

Das ist ein Abschied mit Gerüchen
aus einer fast vergessenen Welt.
Mus und Gelee kocht in den Küchen.
Kartoffelfeuer qualmt im Feld.

Das ist ein Abschied mit Getümmel,
mit Huhn am Spieß und Bier im Krug.
Luftschaukeln möchten in den Himmel.
Doch sind sie wohl nicht fromm genug.

Die Stare gehen auf die Reise.
Altweibersommer weht im Wind.
Das ist ein Abschied laut und leise.
Die Karussells drehn sich im Kreise.
Und was vorüber schien, beginnt.

Und so sieht der Herbst im Klostergarten Riddagshausen aus:

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Thema: Alle Beiträge, Galerie Riddagshausen, Literatur/Dichtung |

23. Juni 2008

Gottfried Benn: Rosen

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Wenn erst die Rosen verrinnen
aus Vasen oder vom Strauch
und ihr Entblättern beginnen,
fallen die Tränen auch.

Traum von der Stunde Dauer,
Wechsel und Wiederbeginn,
Traum – von der Tiefe der Trauer:
blättern die Rosen hin.

Wahn von der Stunde Steigen
aller ins Auferstehn,
Wahn – vor dem Fallen, dem Schweigen:
wenn die Rosen vergehn.

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Thema: Alle Beiträge, Literatur/Dichtung |

13. März 2008

Literatur: Rainer Maria Rilke

“Lassen Sie Ihren Urteilen die eigene stille, ungestörte Entwicklung, die, wie jeder Fortschritt, tief aus innen kommen muß und durch nichts gedrängt oder beschleunigt werden kann. Alles ist austragen und dann gebären. [...] reifen wie der Baum, der seine Säfte nicht drängt und getrost in den Stürmen des Frühlings steht ohne die Angst, daß dahinter kein Sommer kommen könnte. Er kommt doch. Aber… weiter…

Thema: Alle Beiträge, Literatur/Dichtung |

5. Dezember 2007

Literatur: Hugo von Hofmannsthal

“Die Landschaften der Seele sind wunderbarer als die Landschaften des gestirnten Himmels: nicht nur ihre Milchstraßen sind tausende von Sternen, sondern ihre Schattenklüfte, ihre Dunkelheiten sind tausendfaches Leben, Leben, das lichtlos geworden ist durch sein Gedränge, erstickt durch seine Fülle. Und diese Abgründe, in denen das Leben sich selber ver­schlingt, … weiter…

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